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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 13.01.2013

Braucht Shopping ein Gewissen: Darf man Apple-Produkte noch kaufen?

Eigentlich kauft man ein Produkt, weil es gut ist, die eigenen Anforderungen erfüllt und dann auch noch einen vertretbaren Preis aufweist. So ist es in der Regel. Immer häufiger werden inzwischen aber auch ethische und soziale Maßstäbe auf die moderne Technik angewendet – und nicht mehr nur auf Lebensmittel und Kleidung. Die Frage ist: Darf man Apple-Produkte weiterhin kaufen?

Bislang ging es bei Smartphones allein um die Auflösung, die Akkuleistung, die Kratzfestigkeit des Displays, die Anzahl der verfügbaren Apps und letztlich auch um das eingesetzte Betriebssystem und den Preis.

In den letzten Monaten mehrten sich allerdings die Berichte in der Presse, die sich nicht mehr einzig und allein um die rein technischen Details bemühten. Die Rede war plötzlich von Selbstmorden in den Fertigungshallen in Fernost, die einen Schatten auf Apples reine Weste warfen. Schon damals fragten sich die Apple-Fans: Muss es in ihrem Interesse sein, wie und wo ein Unternehmen produziert? Sollen einzelne Unglücke, krasse Umweltsünden, unternehmerische Gier, eine Gängelung der Mitarbeiter und andere Dinge jenseits des eigentlichen Produkts in die Kaufentscheidung einfließen? Kurzum: Gibt es ein Gewissen, wenn es um das eigene Smartphone in der Hosentasche geht?

Es scheint so: Inzwischen wird in Android-Kreisen an einem ersten Fair-Trade-Smartphone gearbeitet, das noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen soll. Bei der Fertigung dieser Geräte achten die Hersteller ohne Kompromisse auf faire Arbeitsbedingungen ohne Kinderarbeit und Hungerlöhne. Sie verwenden keine Rohstoffe aus Bürgerkriegsregionen und sagen der Ressourcenverschwendung den Kampf an. Ob am Ende ein bezahlbares Handy dabei herauskommt, muss natürlich noch abgewartet werden.

Die Frage, die sich nun aber stellt: Muss man beim Kauf eines neuen Geräts jetzt auch noch darauf achten, ob bei der Fertigung alles koscher zugeht? Muss ein modernes Smartphone neben einem Quad-Core-Prozessor auch noch einen grünen Umweltengel haben? Oder klarer formuliert: Darf man Apple noch kaufen?

Das große Problem bei iPhone, iPad, Mac, iMac, MacBook Pro & Co ist doch das: Kein Unternehmen der Welt steht unter einer so intensiven Beobachtung wie Apple. Jeder kleine Fehlschritt und jedes noch so tragische Unglück geht sofort durch die Medien und schlägt eine ganz große Welle in der ganzen Welt. Wer nun auf ein iPhone verzichtet, weil vielleicht ein Mitarbeiter im Apple Store über die harschen Arbeitsbedingungen meckert, kann dies gern tun. Aber wer sagt denn, dass es bei Samsung, Microsoft und HTC anders aussieht? Gerade aus den Konzernen im Fernen Osten dringen doch kaum Details an die Öffentlichkeit.

Wie immer ist wahrscheinlich der Mittelweg am Besten. Man muss auch beim Wocheneinkauf nicht alles als Bio kaufen. Aber wenn man schon einmal bei den Eiern darauf achtet, dann ist das schon ein halber Schritt in die richtige Richtung.

Und wenn man auch in Bezug auf Apple die mahnende Stimme nicht versiegen lässt, so kann das nur helfen. Apple hat ja schon zugesagt, die Bedingungen im Fertigungsbereich zu verbessern. Und nachdem Apple im eigenen Land kritisiert wurde, dass die Fertigung der Produkte ins Ausland verlagert wurde, obwohl viele Amerikaner keine Arbeit haben, hat Apple die Fertigung wohl für den kommenden Mac Pro wieder zurück in die USA geholt. Das ist zwar nur ein kleines Fertigungshäppchen – aber immerhin.

Ich frage mich: Wie werde ich das soziale Gewissen in Zukunft für mich persönlich nutzen? Kann ich noch Apple-Produkte kaufen, auch wenn es Kritik am sozialen Unternehmungsstil gibt? Ja, kann ich. Ich brauch ein leistungsstarkes Handy in der Tasche und einen Power-Rechner auf dem Schreibtisch. Da zählen für mich vor allem Leistung und Design. Ich kneif schon beim Preis ein kritisches Auge zu. Wenn ich jetzt beim Kauf von neuen Rechnern auch noch darauf achte, ob der Firmenchef seinen Müll trennt, dann finde ich gar nicht mehr zu einer Kaufentscheidung. Da denke ich rational und bin der Meinung, dass dies keine Argumente für meine persönliche Einkaufsstrategie sind.

Ich freue mich aber, wenn andere auf die Bio-Barrikaden steigen und durch ihre Aktionen dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Das beobachte ich dann aber selbst nur interessiert aus der Ferne. Wie handhaben Sie das? (Carsten Scheibe)





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