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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 14.12.2011

Hat die Jugend die Nase voll vom iPhone?

Au weia, da steckt aber Zündstoff in der Aussage. Nokia-Manager Niels Munsgaard lehnt sich in einem Interview weit aus dem Fenster, wenn er bemerkt, “dass die Jugend iPhones langsam satt hat”. Die Jugendlichen würden lieber zur Windows-Phone-Plattform wechseln. Ob da wohl was dran ist?

In einem Interview mit dem Online-Blog Pocket-lint.com zündet Nokia-Manager Niels Munksgaard (http://www.pocket-lint.com/news/43455/nokia-iphone-fed-up-baffled-android) die Zündschnur für eine gewaltige Bombe. Er sagt grob übersetzt, dass die Jugend die Nase voll vom iPhone hat und auch von Android nicht gerade begeistert ist – weil es zu komplex und zu unsicher ist. Stattdessen würde Windows Phone als neues Betriebssystem eine große Anzahl der Jugendlichen neugierig machen, weil sie eben Lust darauf haben, etwas Neues auszuprobieren.

Okay, das ist natürlich eine kluge Geste, wenn man bei Nokia den Verkauf von Windows Phone-basierten Handys befeuern möchte, einfach mal für ein wenig Blog-Buzz zu sorgen. In meiner Wahrnehmung sieht das allerdings so aus, dass Microsoft im letzten Jahrzehnt so ziemlich jeden Zug verpennt hat, der aus dem IT-Bahnhof losgerattert ist. Und immer genau dann, wenn sich andere Firmen einen neuen Markt bereits erschlossen haben, kommt Microsoft doch noch aus dem Knick und versucht, mit viel Geld und Bohai den verlorenen Platz wieder gut zu machen. Zurzeit haben Apple und Google den mobilen Markt längst unter sich aufgeteilt. Selbst der Blackberry spielt keine wirkliche Rolle mehr. Microsoft versucht nun, das bestehende Machtgefüge aufzubrechen und irgendwie sein Windows Phone dazwischen zu platzieren. Nokia als ehemaliger Marktriese ist da sicherlich ein willkommener Partner.

Was ich beobachte in den Schulen und in den Sportvereinen: Die Hälfte der Jugendlichen nutzt ein mehr oder weniger neues iPhone – mit Begeisterung. Der Rest baut ebenso selbstverständlich auf ein Android-Gerät. Andere Systeme spielen schlichtweg keine Rolle. Und ein Windows-Phone-Gerät habe ich in meinen Berliner Kreisen noch kein einziges gesehen. Weder bei Erwachsenen noch bei den Kiddies.

Fakt ist, dass die Jugendlichen sehr schnell bereit dazu sind, einem Betriebssystem den Rücken zu kehren, sobald ein anderer Anbieter die bessere Technik auffahren kann. Hier zeigt sich zurzeit aber eher ein Wechsel vom iPhone auf das günstigere Android-Smartphone. Gründe für den Wechsel: der bessere Preis, eine oft als besser empfundene Hardware und letztendlich auch die Möglichkeit, raubkopierte und damit kostenfreie Apps besonders einfach auf die Android-Hardware zu überspielen.

Also: Gut gebrüllt, Löwe. Aber noch spielt Windows Phone keine Rolle. Wir werden sehen, ob sich daran bis Weihnachten 2012 auch nur das Geringste ändert. Ehrlich, es würde mich wundern. Zurzeit heißt der Glaubenskrieg noch immer iOS gegen Android. Und dieser Kampf ist noch lange nicht zuende ausgefochten. (Carsten Scheibe)





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