Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 03.10.2011
Kommen die iPhone-Apps zur Miete?
Während fast die ganze Nation noch darüber streitet, ob morgen nun ein iPhone 5 oder ein 4S das Licht der Welt erblicken wird, holt 9to5mac.com noch ein ganz anderes Ass aus dem Ärmel. Der US-Blog überlegt, ob auf der Apple Keynote auch die “App zum Mieten” vorgestellt wird.

Von Gelassenheit keine Spur. Wenn eine Apple Keynote ins Haus steht, dann laufen die Applemanier aufgeregt so lange mit dem Kopf so lange gegen die Wand, bis es blutet und sie Visionen bekommen. Metaphorisch gesprochen. Die Aufregung ist so groß, dass es plötzlich überall Zeichen und Hinweise gibt, die interpretiert werden müssen. Der eine schaut dann nach Fernost und guckt, was die Chinesen schon einmal vorsorglich vorab produzieren. Der andere spielt stille Post und schickt ein Gerücht so lange durch die Blogs, bis am Ende eine anscheinend in Stein gemeißelte Wahrheit daraus wird. Die Klugen unter den Apple-Wahrsagern lesen nicht im Kaffeesatz, sondern im Code der verschiedenen Apple-Programme, die kurz vor der Keynote noch rasch in neuen Entwicklerversionen freigegeben wurden.
Im Code der neuen iTunes-Beta haben findige Code-Leser so etwa bereits einen Hinweis auf das iPhone 4S finden können. Und nun das: 9to5mac.com meldet Hinweise auf eine neue “App zum Mieten” Funktion. Man kann sich ja schon jetzt Filme mieten, warum also nicht bald auch noch Apps? Dafür sprechen einige besondere neuen Zeilen im aktuellen iTunes-Code wie etwa diese hier: “Apps are automatically removed from your iTunes library at the end of the rental period.”
Sollte das morgen zur Wahrheit werden, dann wäre es plötzlich möglich, sich Apps auch auszuborgen – etwa für eine kurze Zeitspanne und zu einem Bruchteil des normal verlangten Preises. Nach Ablauf der Leihphase würden die Apps dann wieder aus der iTunes-Bibliothek und von den eigenen i-Geräten gelöscht werden. Was wie ein neuer Apple-Hurra-Streich aussieht, macht für mich einfach keinen Sinn:
1. Die meisten Apps kosten doch eh nur 79 Cent. Das ist doch kein Geld. Normale Spiele für den PC oder für den Nintendo DS kosten weiterhin 20 Euro und mehr. Eine Leihgebühr müsste vielleicht bei einem Viertel oder Drittel des Originalpreises liegen. 20 Cent für eine App, das lohnt sich doch nicht, weder für den Entwickler noch für Apple. Damit kann man doch auch die ganze iTunes-Bürokratie und die Transfervolumen nicht bezahlen.
2. Wenn wir ehrlich sind, dann kaufen wir viele Apps aus reiner Neugierde, spielen oder nutzen sie ein paar Mal und gucken sie nie wieder an. In der Folge würde aus vielen Leih-Apps niemals Kauf-Apps werden: Apple und auch die Programmierer würden richtig viel Geld verlieren, was schnell zu einer Verödung des Angebots führt.
3. Nicht einmal für die Kids macht das Leihen Sinn. Denn wer ständig die Blogs oder Aktionen wie FreeAppADay im Auge behält, der kann sich Tag für Tag gleich mehrere Apps aus dem App Store herunterladen, die eben noch viel Geld gekostet haben und nun völlig umsonst zu haben sind.
Wollen wir also hoffen, dass Apple das iPhone 5, das iOS 5, die iCloud und iCloud Match vorstellt – uns mit den Apps zum Ausborgen aber verschont. (Carsten Scheibe)



