Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 27.09.2011
Neues Thunderbolt-Display am alten MacPro: Geht das?
Ich arbeite nun seit August nicht mehr unter Windows, sondern bin als Frischling in der bunten Apple-Welt angekommen. Und werkele nun an einem Mac Pro, an dem bereits ein 27″ LED Cinema Display hängt. Beim Versuch, ein Thunderbolt-Display dazu zu kaufen, um wieder an einer Multi-Monitor-Umgebung zu arbeiten, ging allerdings einiges schief. Das Problem wie so oft: Mangelnde Kommunikation.

Zwei Vorbemerkungen: Unter Windows arbeite ich bereits seit Jahren mit zwei Bildschirmen an einem Computer. So kann ich an einem Monitor an meinen Texten arbeiten und auf dem zweiten offene Fenster parken – etwa den Web-Browser, den Mail-Client oder das DVD-Fenster, wenn ich beim Arbeiten einen Film gucke.
Uuund: Vor meinem Urlaub habe ich mir ein MacBook Air geholt. Und mich geärgert, dass nach dem Urlaub plötzlich die neue Generation mit Thunderbolt-Anschluss und schnellerem Prozessor verfügbar war. Da hatte ich viel Geld ausgegeben und plötzlich nur noch “alte Ware” im Haus. Obwohl auch die alte Flunder ein erstklassiges mobiles Arbeitsgerät ist.
Mein Mac Pro im Büro ist mit einem 27″ LED Cinema Display ausgestattet. Als ich beschloss, mir einen zweiten Monitor anzuschaffen, beschloss ich aktiv, mir als gebranntes Kind (MacBook Air!) KEIN weiteres Cinema Display zu besorgen, sondern gleich in die neue Technik zu investieren und ein Thunderbolt Display zu kaufen. Zumal der Preis absolut identisch ist.
Ich rief bei meinem Apple-Händler an und fragte nach, ob ich ein Thunderbolt-Display an meinem alten Mac Pro anschließen kann, der doch nur einen Mini DisplayPort aufweist. Da die Thunderbolt-Technik neu war, fragte der Händler bei Apple nach und übermittelte mir dann: Ja, das sei wohl abwärtskompatibel. Thunderbolt sei ja nix anderes als ein Grafiksignal mit einer zusätzlichen Datenspur. Und die Stecker seien sogar von der Form her identisch.
Da das Display beim Händler noch nicht lieferbar war, bestellte ich es im Apple Store. Die Wartezeit betrug über einen Monat – aber so eilig hatte ich es ja auch nicht. Inzwischen erfuhr ich auch bei meinem Händler, dass es da ein klitzekleines Kommunikationsproblem gegeben hätte. Ich könnte sehr wohl zwei Monitore an meinem Gerät betreiben – aber nicht so ohne weiteres. Die Grafikkarte in meinem MacPro hätte nur einen einzigen Anschluss für den Mini Display Port – und nicht zwei. Ich müsste also noch eine zweite Grafikkarte einbauen lassen. Hmm, ja, toll. Ich bestellte die Karte und ließ sie erst einmal beim Händler ins Regal legen.
Ende September sollte der Thunderbolt-Monitor kommen, eine Woche früher war er endlich da. Ich machte schnell einen Termin mit dem Techniker für den Einbau der Grafikkarte aus und stellte den neuen Monitor schon einmal auf den Schreibtisch. Das Thunderbolt Display sieht exakt so aus wie das Cinema Display – äußerlich gibt es da keinen Unterschied. Jetzt hatte ich 2 x 27 Zoll Arbeitsfläche – der Wahnsinn.
Der Techniker kam und baute im Nu die neue Grafikkarte ein. Er stöpselte den neuen Monitor ein – und der blieb schwarz. Ich hatte gleich so ein schlechtes Gefühl, weil bei mir solche Sachen IMMER schief gehen. Ob es an der Stromversorgung lag? Wir hatten ja einen Wasserschaden im Büro. Vielleicht waren ein paar Steckdosen ausgefallen? Wir stöpselten den Monitor an drei verschiedenen Steckdosen ein. Nichts. Dann nahmen wir uns das MacBook Air vor. Das hatte ja auch noch keinen Thunderbolt-Anschluss. Auch hier blieb der Bildschirm schwarz.
Es begann eine wilde Telefonaktion mit dem Chef meines Apple-Händlers, der wiederum mit Apple telefonierte. Am Ende kam heraus: Das Thunderbolt-Display kann nur an Geräten betrieben werden, die auch einen Thunderbolt-Anschluss aufweisen. Deswegen steht der Mac Pro nicht in der Kompatibilitätsliste im Apple Store, wenn es um das Thunderbolt-Display geht. Die Kompatibilität geht wohl nur in anderer Richtung: An einem neuen Gerät mit Thunderbolt-Port lassen sich alte Cinema Displays anschließen. Mein Händler-Chef meint, es gäbe vielleicht in Zukunft ein Firmware-Update, das dafür sorgt, dass die neue Monitor-Hardware auch an den alten Apple-Geräten funktioniert. Aber so lange will ich nicht warten.
Ich finde eine eigentlich unbefriedigende, aber funktionierende Lösung. Beim Händler tausche ich das neue Thunderbolt-Display gegen ein “altes” Cinema Display. Zurück im Büro ist der neue Monitor schnell angeschlossen – alles funktioniert bestens. Endlich kann ich an zwei Monitoren zur gleichen Zeit arbeiten. Obwohl es mich immer noch ärgert, dass Apple nicht viel klarer kommuniziert, dass die Thunderbolt-Displays nur an Geräten mit Thunderbolt-Schnittstelle funktionieren. Das hätte mir viel Ärger gespart.
Noch etwas: Kaum stehen beide Monitore nebeneinander, da stelle ich fest, dass der neue Bildschirm viel heller strahlt als der alte. Ist mein alter nach knapp zwei Monaten Dauereinsatz schon so ausgepowert, dass er an Strahlkraft verliert? Das wäre bei einem 1000-Euro-Monitor fatal. Am Bildschirm selbst gibt es keine Knöpfe oder Regler. Und in den Monitor-Einstellungen gibt es blöderweise keinen Regler für die Helligkeit – jedenfalls nicht unter Lion. Ich recherchiere und finde heraus: Auf der Tastatur gibt es dafür die beiden Tasten F1 und F2, die die Helligkeit des Cinema Displays regeln. Dummerweise funktionieren sie bei mir nicht. Ich verzweifle fast darüber, bis ich auf die Lösung komme. Das USB-Kabel des Bildschirms muss ebenfalls an den Mac Pro angeschlossen werden. Kaum ist das passiert, kann ich auch schon die Tasten bedienen und die Helligkeit aufs Maximum bringen.
Gut, jetzt ist das auch geschafft. Die nächste Herausforderung: Die Time Capsule als Backup-Medium installieren. Mal sehen, wie das klappt. (Carsten Scheibe)



