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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 11.09.2011

Der Fall Let’s Golf! 3: We don’t need no Freemium-Apps!

Ich bin leidenschaftlicher Golfer und App-Sammler. Natürlich habe ich auch die App “Let’s Golf” 1 und 2 auf meinem iPhone und auch auf dem iPad. Leider kann ich “Let’s Golf! 3″ gleich wieder löschen. Der dritte Teil der App-Reihe ist nur vermeintlich umsonst zu haben und verleitet mich zu einer Schimpfkanonade über Freemium-Apps und In-App-Käufe.

Die Sache ist doch die. Die Apps für das iPhone und das iPad sind schweinebillig. Die meisten iPhone-Apps kosten 79 Cents, die meisten iPad-Programme 1,59 Euro. Mein Gott, selbst wenn sie fünf Euro kosten würden, dann wären sie immer noch zig Mal preiswerter als die Spiele und Programme, die für Windows, den Nintendo DS, die Wii oder beliebige andere Plattformen angeboten werden. Apps sind echte Schnäppchen. Und wer der Meinung ist, dass eine App immer noch zu teuer ist, der wartet eben. Irgendwann, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, werden die Apps im Rahmen einer Promotion-Aktion im Preis gesenkt oder für einen Tag ganz verschenkt.

Aus diesem Grund lade ich mir keine einzige Lite-Version und keine werbefinanzierten Gratis-Apps. Mein Gott, ich bin erwachsen und verdiene mein eigenes Geld. Da kann ich auch einmal 79 Cents ausgeben und selbst einen rüden Fehlkauf verschmerzen. Oder gleich zehn davon.

Ich halte es da mit Jake Blues aus den Blues Brothers. Der will ganze Tiere und keine halben Hähnchen. Ich will ganze Apps. Nichts hasse ich mehr als unvollständige Apps, die erst nach einem In-App-Kauf ihre ganze Levelpracht zur Verfügung stellen. Oder die neue Spielmodi, Hintergründe oder andere Gimmickls erst dann freigeben, wenn ich noch einmal in den Geldbeutel greife.

Mir ist schon klar, dass dieses Marketingkonzept funktioniert und man so zahlungsunwilligen Schülern noch ein paar Extraeuronen aus der Tasche ziehen kann. Ich für meinen Teil hasse das. Wenn ich in der Einöde von Kasachstan festsitze und keinen Internet-Empfang habe, dann will ich verdammte Hacke noch mal ein Spiel zu Ende spielen können, ohne dass ich auf einmal die Meldung bekomme, dass ich jetzt erst mal den letzten Teil des Spiels freikaufen muss.

Noch schlimmer sind für mich Freemium-Spiele. Die sind umsonst und schaufeln oft genug hunderte Megabyte auf mein iPhone oder mein iPad. Irgendwann mitten im Spiel sagen diese Apps: Ätsche-bätsch, hier ist jetzt aber Schluss. Zahle jetzt Geld, um weitermachen zu können. Das ist so, als ob man mich zum Kino einlädt und mittendrin geht der Film aus und ich soll doch noch bezahlen. Das mag ich nicht, da fühle ich mich verarscht. Noch einmal – ich will ganze Apps zu einem einmaligen Preis, den ich sofort ins Auge fassen und bezahlen kann. Habe ich eine App erst einmal auf meinem Gerät, möchte ich nie wieder von einer Bezahlaufforderung belästigt werden. Das empfinde ich persönlich als Abzocke und echte Belästigung.

Let’s Golf 3: Wer um Himmels Willen braucht schon Energiepunkte?
Und nun das. Die Jungs von Gameloft, die ja sehr intensiv mit alternativen Bezahloptionen experimentieren, stellen “Let’s Golf 3” als Gratis-App für das iPhone und für das iPad (Universal-App) vor. Das Spiel ist satte 712 MB groß und gut wie immer. Ich kann mir einen eigenen Golf-Charakter zusammenfrickeln, sechs neue Golfplätze bespielen und per Multiplayer-Modus sogar einen Flight aus meinen Freunden zusammenstellen.

Die Crux hier ist: Ich brauche im Spiel so genannte Energiepunkte, um die Golfplätze im Spiel damit zu bezahlen – und zwar pro Loch. Sechs Punkte bekomme ich zum Start. Diese Punkte sind nach sechs Löchern bereits verspielt. Wenn man bedenkt, dass ein Golfplatz 18 Löcher hat, halten die Punkte nicht besonders lange. Nach zehn Minuten ist also Schluss mit lustig. Neue Energiepunkte kann ich per In-App-Option nachkaufen. Leider ist das System nicht sehr einsichtig. Im App Store ist die Beschreibung abgeschnitten. “1 Paket mit 20 S….” soll 79 Cents kosten. Was sind S…? Eine Kundenrezension im App Store verrät, dass es hier um “Scheine” geht und dass man 10 Scheine gegen 10 Energiepunkte tauschen kann. Aha. Das heißt, lumpige zehn Löcher kosten mich immer einen Euro. Da lohnt es sich ja vom Funfaktor bald mehr, auf einem echten Golfplatz seine Runden zu drehen.

In der App selbst sollen 10 Energiepunkte 10, ja was, kosten. Hinter der 10 ist ein Geldscheinsymbol zu sehen. 10 Dollar? Ich drücke drauf und schwupps habe ich 10 Punkte gekauft. Mein AppStore-Passwort muss ich nicht eingeben. Sehr merkwürdig und unverständlich. Da ich aber eh nicht vorhabe, dieses System zu unterstützen, vertiefe ich mich auch nicht weiter in die Materie.

Es geht die Kunde, dass man die App eine Stunde lang in Ruhe lassen muss, dann würde sich ein Energiepunkt von alleine regenerieren. Fünf Minuten spielen, eine Stunde warten? Das kann es auch nicht sein. Ich stecke das iPhone trotzdem mit aktiver App in die Hosentasche, aber auch Stunden später tut sich nichts an meinem Energiepunktestand. Heute habe ich die App zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder neu gestartet – und habe fünf frische Energiepunkte bekommen. Trotzdem, das kann es nicht sein, das ist ein ganz, ganz mieses Spielkonzept. 430 1-Sterne-Bewertungen im App-Store sprechen eine deutliche Sprache. Obwohl es auch 910 5-Sterne-Votings gibt – von Anwendern, die mit dem Spieleprinzip anscheinend einverstanden sind.

Ich für meinen Fall bleibe bei “Let’s Golf” 1 und 2. Spiel 3 fliegt von meiner Festplatte. Und ansonsten lasse ich von Freemium- und Energiepunkt-Spielen auch weiterhin die Finger. Was für ein Ärgernis. (Carsten Scheibe)

 




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