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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 13.08.2011

Apple macht Nintendo platt

Es ist noch gar nicht lange her, da war der Nintendo DS die angesagte mobile Spielekonsole. Das hat sich gründlich geändert. Die Kids von heute haben den Nintendo längst in die Ecke gepfeffert und spielen lieber mit ihrem iPod touch. Kein Wunder: Hier ist die Spieleauswahl riesig und die meisten Games sind umsonst oder kosten nur einen Euro.

Es ist verblüffend, wie schnell sich die Verhältnisse ändern. Vor einigen Jahren hat Nokia noch den Ton in der Telefonbranche angegeben. Ein paar iPhone-Releases später hat Nokia den Smartphone-Boom verpennt und wird als Anbieter von Billigtelefonen durchgereicht. Ganze Betriebssysteme wie Symbian, PalmOS oder auch Windows Mobile sind in der Zwischenzeit baden gegangen. 2011 stehen sich die beiden Neulinge iOS und Android Stirn an Stirn gegenüber und machen unter sich aus, wer mobiler Platzhirsch sein soll.

Das ist im mobilen Spielebereich nicht anders. Die kleinen Spielecomputer für die Hosentasche stehen seit Jahren ganz weit oben auf den Geburtstags- und Weihnachtswunschliste der Kinder ab zehn Jahren. Und die Eltern kaufen die Geräte gern, sorgen sie doch auf Autofahrten und auf Flügen für Stille. Dass die Kids bald nur noch mit den Geräten daddeln, das konnte ja niemand ahnen.

Bei den mobilen Spielekonsolen gab es lange Zeit nichts anderes als den Nintendo DS – und, na gut, auch ein bisschen Sony PSP (Playstation Portable). Auf dem Nintendo konnte man die beliebten Mario-Spiele starten, den knuffigen Nintendogs neue Tricks beibringen und jeden Monat neue Spiele kaufen, die in Form von Einschub-Cartridges im Handel angeboten wurden. Nachdem Nintendo fast eine Marktsättigung erreicht hatte und fast jedes Kind auf dem Planeten eine eigene Nintendo-Konsole in der Hosentasche spatzieren trug, brachte der Konzern mit dem Nintendo DSi sogar noch einmal eine verbesserte Version heraus. Aber die zaghaften Innovationen reichten dieses Mal nicht aus, um Marktführer zu bleiben.

Denn der Nintendo DS hatte ein par echte Nachteile. Neben der kantigen und klobigen Verarbeitung war dies etwa ein viel zu kleines und vor allem pixelarmes Display. Noch schlimmer war aber das Hantieren mit den Cartridges. Ständig haben die Kinder die kleinen Plastiksteckteile verbummelt. Was einer Katastrophe gleichkam und den häuslichen Frieden belastete, kosteten die Spiele doch stets zwischen 20 und 40 Euro. Da muss ein Kind lange für sparen, um sich dann ein neues Spiel leisten zu können. Entpuppte sich das noch dazu als Flop, war das Geschrei groß. Schlimmer natürlich das Entsetzen, wenn das Lieblingsspiel plötzlich nicht mehr auffindbar war.

Dann kam Apple mit dem iPod touch. Ein unglaublich schmales Gerät mit weichen Kanten, sehr leicht und klein, kaum spürbar, sobald es in die Hosentasche kommt. Wichtiger noch war das große, klare Display. Und das App-Konzept passt für Kinder natürlich perfekt. Zahllose Apps sind von Hause aus kostenfrei zu haben. Andere werden im Rahmen von Aktionen tageweise auf null Euro gesetzt. Und der ganze Rest der Apps kostet in der Regel auch nicht mehr als einen knappen Euro. Plötzlich hatten die Kids nicht mehr zehn oder elf Spiele zur Verfügung, sondern hunderte. Zumal Eltern und Großeltern froh waren, zu allen nur erdenklichen Anlässen iTunes-Gutscheinkarten verschenken zu können. Ein Gutschein für 15 Euro ist Oma-kompatibler als ein Spiel für 40 Euro. Zumal sich die Kinder dann auch noch aussuchen können, WAS sie mit dem Geld kaufen.

Und die Kids können auf dem iPod touch nicht nur daddeln, sondern auch Musik hören, Filme gucken, Adressen und Termine verwalten und Hausaufgaben-Apps laden. Der iPod touch ist sogar die perfekte mobile Konsole für erste Frickel-Experimente. Kein Schulhof ohne versierten Jailbreak- und Raubkopien-Experten.

All diese Vorteile sorgten zügig dafür, dass der iPod touch binnen kürzester Zeit die gesamte Konkurrenz auf dem mobilen Spielemarkt an die Wand gedrückt hat. Nintendo holte zwar in diesem Jahr noch rasch den Nintendo 3DS mit 3D-Display aus dem Forschungslabor, aber meiner Auffassung nach floppte das Teil komplett. Es gab zwar durchaus ein paar Anstandsrezensionen in den Medien. In meinem gesamten Bekanntenkreis, der früher Nintendo-DS-durchseucht war, ist aber seitdem nicht eine einzige 3DS-Konsole aufgetaucht. Die Kids interessieren sich nicht einmal dafür und winken gleich ab, sobald man mit ihnen fachsimpeln möchte.

Da ist es kein Wunder, dass das Gerücht umgeht, dass Nintendo überlegt, die eigenen Spieletitel wie etwa Mario Kart nun vielleicht doch auch in der Apple-Welt anzubieten. So könnte man wenigstens aus dem Software-Pool noch etwas Geld herausquetschen. (Carsten Scheibe)

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