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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 09.08.2011

Scheibes Kolumne: Mein Wechsel von Windows zum Mac 3

Beim Umstieg von Windows auf den Mac geht nach 25 Jahren Microsoft-Hörigkeit ganz zwangsläufig nicht alles glatt. Vieles ist ja gleich bei den beiden Systemen. Aber es sind die Kleinigkeiten, die einen in den Wahnsinn treiben. Wo ist denn die finale Geierkralle zum Beenden abgestürzter Programme beim Mac? Wie legt man Verknüpfungen auf dem Desktop ab? Und warum gibt es keinen rechten Mausklick?

Da steht er jetzt also in meinem Büro, der neue MacPro. Meine periphere Hardware ist angeschlossen, die wichtigsten Daten sind auf der Festplatte. Jetzt kann ich ja mit dem Arbeiten beginnen. Ja, wenn das nur so einfach wäre.

Auf meinem Windows-Rechner konnte ich blind Klavier spielen. Nicht wirklich. Aber all die verschiedenen Tastenkombinationen, die nötig sind, um den PC wirklich schnell zu bedienen, die haben sich mir in all den Jahren so tief in den Geist eingebrannt, dass meine Finger ganz von allein die Tasten finden. So muss sich ein Klavierspieler fühlen, wenn er völlig entspannt einen Chopin spielt – und weiß, dass jeder Handgriff sitzt, weil das eben schon tausend Mal genau so geklappt hat.

Eben diese Handgriffe funktionieren beim Mac einfach nicht. Das beginnt beim Kopieren und Einfügen, einer Tastenkombination, die ich jeden Tag hundertfach einsetze – meistens, wenn es darum geht, in Word vorgeschriebene Texte bei WordPress einzustellen. Unter Windows drücke ich STRG+C und dann STRG+V. Diese Tastenkombination gibt es auch auf dem Mac – aber da passiert nix, wie ich die ersten Tage immer wieder leidvoll erfahren musste. Stattdessen muss ich zwei Tasten weiter rechts greifen. CMD+C und CMD+V heißen die neuen Befehle fürs Kopieren und Einfügen. Das lerne ich nie, dachte ich am Anfang. Nach knapp einer Woche geht’s. Aber das dauert noch, bis sich das einbrennt.

Dann der Rechtsklick. Unter Windows lässt sich jedes Problem mit einem Rechtsklick lösen, weil sich ein Kontextmenü mit häufig benötigten Funktionen öffnet. Drücke ich auf dem Mac die rechte Maustaste, so passiert einfach nur dasselbe wie bei der linken Maustaste. Das ist frustrierend, denn nun muss ich weite “Mauswege” hinter mich bringen, um in den Menüs der Anwendungen nach dringend benötigten Funktionen zu wühlen. Es dauert ein paar Tage, bis mir jemand steckt, dass ich in den Systemeinstellungen die “Sekundäre Maustaste” einschalten muss. Das ist eine echte Erlösung: Auf einmal habe ich meine dringend benötigten Funktionen sofort zur Hand – plus weitere, von denen ich nicht einmal ahnte, dass es sie überhaupt gibt. Wunderbar: Das bringt mich bei der Arbeit mit dem Mac ein großes Stück nach vorn. Aber warum schaltet Apple diese wichtige Funktion nicht von Hause aus frei?

Nun möchte ich gern meine wichtigsten Gebrauchsdateien als Icon auf den Mac-Desktop legen – etwa meine Word-Datei mit den offenen Aufträgen. Ich ziehe die Datei aus dem Finder (Dateimanager auf dem Mac) auf den Bildschirm. Das funktioniert, dabei verschwindet aber die Datei aus dem ursprünglichen Ordner. Nun, das will ich aber nicht. Ich experimentiere beim Ziehen mit der Maus mit den üblichen Tasten wie STRG und ALT. Dabei schaffe ich es, eine Kopie der Datei auf den Desktop zu ziehen. Das ist ja noch schlimmer, da habe ich ja zwei Versionen der gleichen Datei. Das sorgt nur für Probleme. Also befrage ich das Internet. Füttert man Google mit konkreten Problemen, findet man immer ein Forum, in dem ein Anwender das gleiche Problem hatte. Ich lerne: Ich muss die Tasten ALT+CMD beim Ziehen an der Datei drücken, dann klappt’s mit der Verknüpfung auf dem Desktop. Ein kleiner Verknüpfungspfeil im Desktop-Icon zeigt, dass alles glattgegangen ist.

Am Mac lerne ich schnell: Auch hier stürzt Software ab. Meistens erwischt es mich bei Shareware, die ich direkt aus dem Web gezogen habe, weil es sie noch nicht im Mac App Store gibt. Da hakt’s wohl noch mit der Lion-Kompatibilität. Aber wie “killt” man eingefrorene Programmfenster? Die “finale Geierkralle” von Windows funktioniert nicht. CRTL+ALT+ENTF macht beim Mac nichts. Aber auch hier hilft mir das Internet weiter. Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen nicht einmal nachschlagen, denn diese Kombi brauchte ich leider schon öfters: ALT+CMD+ESC öffnet den Dialog “Programme sofort beenden”. Er listet alle offenen Anwendungen und erlaubt es, sie sofort aus dem Speicher zu kicken.

Eine Umstellung sind auch die Fensterfunktionen. Findet man unter Windows die Befehle zum Verkleinern, Vergrößern und Schließen offener Fenster noch rechts, so sind sie in der Apple-Welt links oben in der Titelleiste der Fenster zu sehen. Aber das ist eine Umgewöhnung, die geht mir schnell von der Hand. Roter Punkt heißt “Schließen”, gelber Punkt “Fenster ausblenden”. Damit kann ich erst einmal gut leben. (Carsten Scheibe)

Kolumne 2 verpasst? Hier geht’s lang!

Nächstes Mal in Kolumne 4: Outlook für Mac macht auf den ersten Blick tierische Probleme. Das Programm kann ja gar nix!




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