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Kategorien: Scheibes Kolumne | Datum: 24.04.2011

Scheibes Kolumne: iPhone-Standortprotokolle vs Facebook

Apple hat mal wieder Probleme. Seitdem herausgekommen ist, dass das iPhone ungefragt die Standortprotokolle seines Nutzers aufzeichnet, schlagen die Wellen der Entrüstung meterhoch. Dabei lässt sich mit etwas Fantasie doch durchaus auch ein Vorteil aus der ganzen Misere ziehen. Und überhaupt: Wer braucht Ortungsprotokolle, wenn es doch Facebook gibt?

Apple steht immer wieder in der Kritik. Man darf hier ja gar nix. Die Entwickler jammern, dass sie keinen echten Zugriff auf das Betriebssystem haben und deswegen nicht die Apps entwickeln können, auf die sie richtig Bock haben. Die Anwender fühlen sich gegängelt von iTunes und schielen mit einem Auge in den alternativen Cydia-Shop der Jailbreak-Jünger, wo es die tollsten Tools für die optische Aufwertung der iPhone-Oberfläche gibt.

Und nun das! Seit Juni 2010 gibt es eine Änderung in der Apple-Datenschutzrichtlinie. Seitdem darf Apple die Standortdaten der Anwender erheben, nutzen und weitergeben. Seit diesem Juni zeichnet das iPhone vollautomatisch auf, wo sich der Anwender zu einer ganz bestimmten Zeit aufgehalten hat, schreibt Spiegel.de. Diese Angeben werden unverschlüsselt auf dem iPhone gespeichert und bei einer Synchronisation auch auf den Desktop-PC übertragen. Die Lokalisierungsdaten werden anscheinend nicht nach extern weitergegeben. Trotzdem: Da sie unverschlüsselt auf den Geräten vorliegen, kann sie theoretisch jeder auslesen, der haptischen Zugriff auf diese Geräte hat.

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Vorsicht: Dies ist eine Glosse. Hier wird scharf geschossen, es ist aber nicht immer alles ernst gemeint. Kommentare gern auf unserer Facebook-Seite.
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Und da kommen wir zum Punkt: Das muss doch gar nicht so schlecht sein. Die eifersüchtige Freundin kann nun ihre mein-Freund-geht-fremd-Verdächtigungen für sich behalten und muss so gar nicht erst für schlechte Stimmung in ihrer angespannten Beziehung sorgen. Stattdessen schnappt sie sich einfach das iPhone ihres Liebhabers und holt sich die Datendatei. Mit der Hilfe eines kostenlosen Mac-Tools namens iPhoneTracker lässt sich das aufgezeichnete Bewegungsprotokoll direkt auf eine Landkarte übertragen. Und erst jetzt wird es zur Gewissheit: War der untreue Trottel doch tatsächlich ziemlich oft bei der besten Freundin der misstrauischen Gefährtin! JETZT lohnt es sich, den familiären Jihat mit aller Kraft und mit allem Ehrgeiz vom Zaun zu brechen.

Das iPhone kann auch zum Knastbewahrer werden. Wer unverhofft verdächtigt wird, etwa einen schweren Bruch verübt zu haben, holt nun das iPhone aus der Tasche und knallt es dem Kommissar auf den Polizeitisch: “Guckt doch selbst nach, ob ich in der Tatnacht vor Ort war.” Die Frage ist natürlich, ob ein Polizist mit einem Nokia- oder Android-Handy in der Tasche überhaupt dazu in der Lage wäre, nachzuvollziehen, dass sich ein Apple-Jünger niemals, aber auch wirklich NIEMALS von seinem iPhone trennen würde. Sonst könnte der Einbrecher den Bruch nämlich auch ohne iPhone in der Tasche verübt haben. Dumm nur, wenn der Standort des Überfalls DOCH in der eigenen iPhone-Datenbank steht – weil direkt unter dem protokollierten Einbruch auch ein Apple-Store zu finden ist.

Aber das sind natürlich nur konstruierte Beispiele. Die Wirklichkeit ist viel banaler. Denn im Grunde genommen ist die Protokollfunktion des iPhones viel zu kompliziert – und eigentlich überflüssig. Es gibt ganz andere Wege, den jeweiligen Standort eines beliebigen iPhone-Besitzers herauszufinden. Dazu reicht es aus, seine oder ihre Facebook-Seiten zu besuchen. “Bin gerade hier – im Falkenseer Hexenhaus lecker futtern.” Alles klar. Weiß Bescheid. (Carsten Scheibe)




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