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Kategorien: Alle anzeigen, iPhone: Fun | Datum: 05.01.2011

Mein Leben Nervt 1.2.3: Peinliche Lebensbeichten

Im Internet gibt es viele Portale, in denen vor allem Teens und Twens anonym ihre peinlichsten Erlebnisse beichten. Die Leser können sich an diesen Missgeschicken delektieren – und eine Wertung abgeben. Nach diesem Prinzip funktioniert auch die App “Mein Leben Nervt”. Die Überraschung: Jeden Tag kommen 50 neue Beichten hinzu, die bis zu 1.000 Bewertungen provozieren.

Irgendwie habe ich eine Ader für peinlichen Kram. Im Web lese ich ständig schräge Witze, schaue mich in den virtuellen Beichtstühlen um und liebe Nonsense-Seiten mit durchgeknallten Bilderwitzen, die man sich auch gegenseitig per Mail zusenden kann. Aus diesem Grund habe ich mir bereits die App “Sexgott” angesehen, die es im App Store immerhin eine ganze Weile auf Platz 1 geschafft hat.

“Mein Leben Nervt: Die Wutbürger” ist noch recht neu im App Store. Die App sammelt kurze Geständnisse von jungen Leuten und veröffentlicht sie anonym. Die Leser können sich diese gesammelten Lebensbeichten anschauen und eine eigene Einschätzung zur Sachlage abgeben. Per Fingerzeig ist es möglich, “Selber Schuld” zu sagen oder mit “Dein Leben nervt” Mitgefühl zu simulieren. Passend zu jedem Textschnippsel kann man jederzeit ablesen, wie viele Bewertungen bereits abgegeben wurden – und zu welcher Aussage die Masse der Voter tendiert.

Die App ist grafisch sehr aufwändig gestaltet und professionell aufgestellt. Da haben sich die Entwickler mächtig Mühe gegeben, ein Tool auf die Beine zu stellen, das auch optisch und von der Benutzerführung her Eindruck bei den Nutzern schinden kann. Das haben wir schon ganz anders im App Store gesehen.

Gleich nach dem Start lassen sich per Fingerzeig die “Neuesten Geschichten” abrufen. Ansonsten können auch die “Nervigsten Geschichten” gestartet werden. Wer bereits Favoriten angelegt kann, kann sie ebenfalls aus dem Hauptmenü heraus aufrufen. Ein Untermenü sortiert die Beichten in Kategorien wie “Liebe”, “Geld”, “Arbeit”, “Sex”, “Schule/Studium” oder “Kinder” ein. So kann man sich gezielt die Texte zeigen lassen, die einen gerade besonders interessieren. Alternativ dazu besteht immer noch die Möglichkeit, sich einen Zufallstreffer zeigen zu lassen.

Die Beichten sind selten länger als fünf Zeilen und stammen allesamt aus dem leicht infantilen Teenie- und Twen-Bereich. Um Spaß an der App zu haben, muss man sich über Texte wie diesen hier amüsieren können: “Mein Freund hat mit mir über Facebook Schluss gemacht. Dabei bin ich da gar nicht registriert. Meine Freundin hat mir erzählt, dass mein Freund ‘wieder Single’ angegeben hat.”

Die einzelnen Texte lassen sich in die Favoriten übernehmen, per E-Mail oder SMS versenden oder sogar laut vorlesen, wenn eine entsprechende Klangdatei vorliegt. Eine stetig wachsende Community kümmert sich sehr engagiert um “Mein Leben nervt”. So sollen momentan täglich 50 neue Geschichten eingestellt werden. Und über tausend neu abgegebene Bewertungen am Tag sprechen auch eine deutliche Sprache: Die peinlichen Beichten blutjunger Hormonopfer stehen bei den App-Nutzern hoch im Kurs. Inzwischen sollen bereits 30 Prozent aller Beichten vertont sein.

Mein Problem ist, dass die Beichtenschreiber alle versuchen, ganz besonders anzüglich, actionbetont oder aufregend zu sein. So bekommt man bei so gut wie jeder Beichte den Eindruck, dass sie im Grunde nur erfunden ist. Bei Texten wie “Ich habe einer älteren Dame über die Straße geholfen. Zehn Minuten später habe ich festgestellt, dass mein Portemonnaie nicht mehr in meiner Jackentasche ist” zweifelt man schon sehr stark daran, wie echt so ein Beitrag wohl sein kann. Die App könnte durchaus das wahre Leben widerspiegeln, wenn die Texteschreiber nur bei der Wahrheit bleiben würden. Etwa wie bei: “Gestern habe ich mein Auto zersägt. Ich muss es noch drei Jahre abbezahlen und werde von der Versicherung keinen Cent bekommen, da es meine Schuld war.”

Fazit: Wer Spaß an den derben Lebensbeichten durchgeknallter Teenager hat und generell gern die virtuellen Beichtstühle im Internet besucht, der wird auch an dieser gut gemachten Fun-App seinen Spaß haben. Gelungen ist vor allem, dass sich der Content ständig erweitert und man so in kurzen Pausen schön durch die Neuzugänge blättern kann. Fünf Sterne gibt’s nur deswegen nicht, weil viele Beichten übertrieben erfunden sind und so den Gesamteindruck stören. (Carsten Scheibe)

Mein Leben Nervt 1.2.3
Anbieter: Pit Heimes
Größe: 2 MB
Preis: 0,79 Euro
Sprache: Deutsch
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