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Kategorien: Interview | Datum: 20.03.2010

Hanno Welsch vom iPhoneVerband vieda gibt Auskunft

Im Land grassiert der App-Wahnsinn. Immer mehr Entwicklerstudios versuchen sich an eigenen Apps für das iPhone oder den iPod touch, die im AppStore aufschlagen und darauf hoffen, ihren Weg auf die trendigen Apple-Geräte zu finden. Hanno Welsch gehört zum Gründungsteam des App-Entwickler-Verbandes vieda, der inzwischen knapp 100 Entwickler vereint. Wir trafen ihn zum Interview.

Hanno Welsch – wer ist das? Können Sie uns etwas mehr über sich verraten?

Ich bin 45 Jahre alt und habe nach einer Steinbildhauerlehre und dem Zivildienst den Geschmack am Computern gefunden. Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und bin nun seit 20 Jahren freiberuflich als Entwickler tätig. Ich bin verheiratet, habe einen Sohn und die knappe Freizeit, die mir mein Beruf lässt, verbringe ich gerne mit meiner Familie, beim Karate-Training oder auf meinem Motorrad.

Im Oktober 2009 haben Sie und Holger Frank vieda gegründet. Was bedeutet vieda eigentlich ausgeschrieben und wie viele deutsche App-Entwickler waren damals zur Gründung bereits mit an Bord?

Vieda bedeutet „Verband der Entwickler deutschsprachiger Apps“ und wurde von 40 Gründungsmitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründet.

Wie viele Mitglieder umfasst vieda heute? Dürfen nur deutsche Entwickler Mitglied werden oder auch welche aus der Schweiz und Österreich? Was gibt es für Aufnahmekriterien? Zahlen die Mitglieder einen Beitrag? Müssen Sie eine Vereinssatzung akzeptieren?

Wir stehen heute (März 2010) kurz vor dem 100. Mitglied. Die Aufnahmekriterien für eine Mitgliedschaft sind recht einfach: Das potentielle Mitglied muss einen professionellen Hintergrund haben (Ausbildung, Webauftritt, Supportmöglichkeiten usw.) und mit der professionellen Erstellung deutschsprachiger Apps beschäftigt sein. Wir sind ein sehr lockerer Verband ohne Satzung und ohne Mitgliedsbeiträge.

Was soll und kann vieda für seine Mitglieder eigentlich tun? Was sind die Ziele?

Wir hatten drei Grundideen bei der Verbandsgründung:
1. die gemeinsame Interessenvertretung gegenüber Apple.
2. der gemeinsame öffentliche Auftritt bei Marketingaktionen, in einem eigenen Appshop, bei Anzeigen in Printmedien usw.
3. die Schaffung eines Gütesiegels für professionelle Apps, um dem User die Auswahl aus der Vielzahl der Apps zu erleichtern

vieda möchte auch mit gezieltem Marketing etwas für die Mitglieder tun. Was haben Sie bei der Weihnachtsaktion auf AppsForSale.de unternommen? Wie wirkte sich die Aktion eigentlich auf die Teilnehmer aus?

Wir haben in einer konzertierten Marketingaktion in der Adventszeit täglich drei an diesem Tag stark vergünstigte Apps von vieda-Mitgliedern auf appsforsale.de und in einer eigenen Adventskalender-App vorgestellt. Diese Aktion hatte eine enorme Öffentlichkeitswirksamkeit und wurde von unseren Usern sehr gut angenommen. Am Ende der Aktion waren die meisten teilnehmenden Apps in den Top 100 der Verkaufscharts zu sehen.

Am Valentinstag 2010 startete die zweite Aktion – wieder auf AppsForSale.de. Was haben Sie hier unternommen?

Die deutschen App-Entwickler wissen ganz genau, dass ihre Apps nur dann wahrgenommen werden, wenn sie in den Chartlisten des iTunes AppStores möglichst weit oben stehen. Ausschließlich am Valentinstag gingen deswegen 80 deutsche Apps auf AppsForSale.de online. 47 vieda-Mitglieder hatten ihre Apps zum Teil deutlich im Preis reduziert. Die Nutznießer der Aktion konnten sich viele beliebte Apps zu echten Schnäppchenpreisen besorgen. Besonders begehrt waren das Spiel Catan, die Kochanleitung Rezepte, das Fitness-Programm iBody, der Geburtstagswarner iDay und der MobileButler zur Verwaltung der Telefongebühren. Am stärksten im Preis gesenkt wurde die App Golf Suite – von 23,99 auf 0,79 Euro.

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Der Erfolg der Aktion: Zahllose Online-Medien berichteten und machten so auf die Arbeit von vieda aufmerksam. Die Teilnehmer selbst freuten sich über viele zusätzliche Verkäufe. 12 der teilnehmenden Apps stiegen dank der Aktion auch wieder in die Top 100 der meistverkauften Apps in Deutschland auf – was erfahrungsgemäß viele Folgeverkäufe nach sich zieht.

Es scheint oft so, als ob wenige Verkäufe oder Downloads bereits ausreichen, um die Charts im AppStore deutlich zu beeinflussen. Werden mitunter doch weniger Apps verkauft, als die Allgemeinheit glaubt? Oder beschränken sich die Verkäufe tatsächlich nur auf die absoluten Top-Ten-Hits?

Durch die Vielzahl der mittlerweile erhältlichen Apps reichen wenige Verkäufe nicht mehr aus, um in den Charts nennenswert nach oben zu kommen. Die guten Apps in den Top 20 der jeweiligen Kategorien erreichen immer auch hohe Verkaufszahlen.

Welche Apps haben Sie selbst im AppStore am Start? Welche App verkauft sich am besten, welche am schlechtesten? Welche Apps planen Sie für die Zukunft?

Unsere Topseller ist der Fitnessmanager iBody, für den wir auch schon einige Preise bekommen haben und der auch im ZDF bei Wiso vorgestellt wurde. Und natürlich auch unser Geburtstags- und Eventmanager iDay Deluxe. Aber auch Nischenprogramm wie iEno, iUno oder iBreakout haben ihre Freunde gefunden und sind durchaus in der eingeschränkten Zielgruppe erfolgreich. Für die nahe Zukunft arbeiten wir an weiteren Apps im Gesundheitsbereich, so wird es noch in diesem Frühjahr eine App für homöopathische Ersthilfe und eine Rückenschule als App geben.

Das iPad kommt bald. Wissen Sie von Ihren vieda-Kollegen, ob alle bereits an eigenen iPad-Apps arbeiten? Wie schätzen sie den möglichen Erfolg des neuen Apple-Geräts ein?

Alle sicherlich nicht, das iPad ist sicher auch nicht für alle Apps interessant. Aber ein Großteil unserer Mitglieder arbeitet aktuell an einer Anpassung der Apps, um die speziellen Möglichkeiten des iPads nutzen zu können.

Je mehr Mitglieder bei vieda eingetragen sind, umso mehr steigt der Druck auf vieda, um tatsächlich etwas zu bewirken. Was sind Ihre Forderungen an Apple: Was muss besser werden, damit die deutschen App-Entwickler noch erfolgreicher arbeiten können?

An erster Stelle steht sicher der Review-Prozess für neue Apps und Updates. Hier bräuchten wir dringend verlässliche und dauerhaft gültige Kriterien, auf die wir uns als Entwickler verlassen können. Dass Updates nach einem Jahr im App Store plötzlich aus Gründen abgelehnt werden, die schon im Laufe des gesamten Jahres vorhanden waren, oder dass wie kürzlich ganze Bereiche aus dem App Store entfernt werden, sind für uns als Entwickler keine vertrauenfördernden Maßnahmen. Weiterhin würden wir es für sinnvoll und wichtig erachten, dass die Professionalität in der Entwicklung, im Style Guide und vor allem im Support stärker in den Reviews berücksichtigt wird. Es gibt leider viele Hobbybastler mit 3-Zeilen Apps, die in der Hoffnung auf das große Geld den AppStore ein wenig zumüllen.

Sind Raubkopien ein Thema für die deutschen App-Entwickler?

Ja natürlich, viele unserer Mitglieder haben auch entsprechende Vorkehrungen getroffen, um das Raubkopieren von Apps möglichst zu verhindern.

Es scheint so, als ob jede neue App-Idee, die Erfolg hat, sofort von lauter Neidern schamlos kopiert wird. Ist das ein Problem?

Erfolg bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten :)

Während der PC fast schon als uncool gilt und es nur wenige Blogger-Seiten zum Thema gibt, explodiert die Blogger-Szene rund ums iPhone nahezu. Vorsichtige Schätzungen gehen von über 200 deutschsprachigen Blogs zum Thema aus. Wie wichtig sind die Blogs als Werbemittel für die App-Entwickler?

Für einen großen Teil unserer Zielgruppe ist die Blogger-Szene natürlich sehr wichtig und alle unsere Mitglieder stehen natürlich in Kontakt mit der Szene. Man sollte aber nicht vergessen, dass es auch viele potenzielle User gibt, die weniger Web 2.0 affin sind. Von daher sind die klassischen Printmedien oder auch Radio und Fernsehen nicht zu verachten.

Gibt es eigentlich auch einen internationalen App-Verband? Tauscht man sich auch da aus?

Noch nicht, es gibt aber durchaus Kontakte zu internationalen Entwicklern, die sich von den globalen Entwicklerkonferenzen kennen. Da entwickelt sich langsam eine entsprechende Szene.

Informationen zu vieda:
vieda – der Verband der iPhone-Entwickler deutschsprachiger Apps – wurde zum 1. November diesen Jahres von 27 namhaften deutschsprachigen Entwicklern auf Initiative von Holger Frank und Hanno Welsch gegründet. Der Verband, der sich die Kommunikation und Zusammenarbeit der deutschsprachigen iPhone-Entwickler zum Ziel gesetzt hat, wird künftig als gemeinsame Interessenvertretung deutschsprachiger Entwickler auftreten. vieda wird ausschließlich professionell arbeitende Entwickler aufnehmen und wird künftig regelmäßig durch gemeinsame Marketingaktivitäten, eine gemeinsame App Plattform von vieda Mitgliedern und ein Zertifikat für professionelle deutschsprachige Apps auf sich aufmerksam machen.

vieda – Interessenverband der deutschen iPhone-Entwickler
Ansprechpartner für die Presse: Hanno Welsch
c/o Hanno Welsch, Moerikestraße 19, 66459 Kirkel
Tel: +49 – 6849 224415
E-Mail: info@vieda.de
Web: http://www.vieda.de/





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